Porto, oh Porto! Ein Foto-Essay

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Rabelo boats in Ribeiro, Porto, Portugal

Rua da Alegria nº 541 ist die erste Adresse, die ich in Porto aufsuche. Die Lebensfreudestraße. So recht passt der Straßenname nicht zum Stimmungsbild, das mir die Stadt bietet.

Es ist März 2011, Portugal steht kurz vor dem Bankrott, der Premierminister war wenige Tage vor meiner Ankunft zurückgetreten. Im Fernsehen sieht man abwechselnd Mutti Merkel mit erhobenem Zeigefinger und besorgt dreinschauende portugiesische Politiker. Die Betrübtheit merkt man auch den Leuten auf der Straße an, und das regnerische Wetter tut sein Übriges.

Zur Begrüßung wird mir von meinen Couchsurfing-Gastgebern gleich ein deftiger Eintopf serviert. Ich wundere mich, wieso das Fleisch so furchtbar zäh ist, bis João mir erklärt, dass ich auf tripas (Kuhmagen) herumkaue. Für diese Zutat sind die Portuenser so berühmt, dass sie von Lissabonern neckisch tripeiros genannt werden.

Den stolzen Portuensern macht das nichts aus, denn für sie ist Porto sowieso die heimliche Hauptstadt Portugals. Das Geld, das im “fleißigen” Porto verdient wird, wird im “faulen” Lissabon mit vollen Händen ausgegeben.

Wenn sich der allmorgendliche Regen endlich verzieht, kann man die schönen Gassen von Porto erkunden. Über zwei Millionen Menschen leben hier, aber doch fühlt sich die Stadt sehr dörflich an. “Porto ist ein Vorort von sich selbst”, sagen die Einheimischen. Schmucke Jugendstil-Fassaden reihen sich an typische portugiesische Häuser mit detaillierten Azulejos-Fliesen. Viele dieser Häuser stehen zum Verkauf, manche sind verwaist. Auf dem Rio Douro wanken Portweinboote aus längst vergangenen Zeiten. Es ist diese Mischung aus Schönheit, Nostalgie und Tristesse, die Porto einen unwiderstehlichen Charme verleiht.

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Uferpromenade Cais da Ribeira am Fluss Rio Douro.

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Heute sind sie nur noch Zierde, doch früher haben die Rabelo-Boote Portweinfässer von den Weinbergen entlang des Rio Douro zu den Kellereien in Vila Nova de Gaia transportiert.

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Das berühmte Café Majestic.

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Hübsche Jugendstilfassaden in der Rua Santa Catarina.

Livraria Lello, Porto, Portugal

Die Jugendstil-Buchhandlung “Livraria Lello & Irmão” (seit 1906) mit ihrer beeindruckenden Wendeltreppe, den Glasmalereien und holzgetäfelten Regalen wurde vom Guardian zum drittschönste Buchladen der Welt gekürt. Fotografieren ist inzwischen nicht mehr erlaubt. Glück gehabt!

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Barocke und gotische Kirchen an jeder Ecke. Dass ich Kirchen in diesem Stil noch im gleichen Jahr in Brasilien wiedersehen würde wusste ich damals noch nicht.

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Kirche Igreja de Santo Ildefonso mit typischen blauen Azulejos-Fliesen.

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Verlassenes Haus in Ribeira.

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Stilloses Fast Food im stilvollen Jugendstilhaus: McDonald’s auf der Av. Alíados.

Riverside by night, Porto

Nachtspaziergang mit Blick auf Vila Nova de Gaia, wo sich die Portweinkellereien befinden.

Alternative arts market in Porto, Portugal

T-Shirts von jungen Designern beim Urban Market am Nationalen Tag der Altstädte (Ende März).

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Street Art in Porto

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João hat mich ins hübsche Teehaus Rota do Chá in der hippen Rua Miguel Bombarda eingeladen.

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Umsonst und gut: Centro Português de Fotografia.

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Im Restaurant “Schlecht gekocht” ist Nomen hoffentlich nicht Omen.

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In den hügeligen Gassen Portos.

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Spektakulärer Ausblick auf Porto und die Dom Luís I Brücke vom Berg Serra do Pilar. Boa Noite, Porto!

Reisetipps für Porto:

  • Anreise: Die besten Verbindungen bietet Ryanair. Auf Skyscanner findest Du Flüge nach Porto ab 17 Euro!
  • Kulinarisch etwas fragwürdig, aber für jeden Porto-Besucher ein Muss: Francesinha, ein Sandwich mit Schinken, Wurst, Rindfleisch und Käse in Tomatensoße.
  • Bester Foto-Spot ist der Serra do Pilar zum Sonnenuntergang.
  • Von Porto aus lassen sich wunderbar Ausflüge in die Städte Guimarães, Braga und Vigo (Galizien) machen.
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16 Comments

  • Sarah says:

    Wow! Du hast so unglaublich schöne Fotos! Riesenkompliment. Wo ich deinen Beitrag so sehe und lese, bekomme ich auch richtig Lust auf Porto. War schonmal da und auch restlos begeistert (unter anderem wegen der Nähe zu Galicien), aber jetzt muss ich feststellen, dass ich diesen wunderschönen Buchladen übersehen habe. Andererseits: Wenn das kein Grund ist, nochmal hinzufahren 😉 ?!
    Liebe Grüße

    • Stefanie says:

      Danke für dein nettes Lob! Wenn ich mir die Bilder auf deinem Blog so anschau dann mach ich mich mal lieber ganz klein 🙂
      Ich bin damals auch für einen Tag nach Vigo gefahren und wir sind mitten in einem Folklorefest gelandet, darüber will ich auch schon seit Ewigkeiten schreiben.
      Na dann los, im Moment gibt es bei Ryanair 10€-Flüge nach Porto 😉
      LG Steffi

    • Sarah says:

      10-Euro-Flüge? Wahnsinn! Ich bin (leider) noch nicht wieder in Europa, ansonsten würde ich zumindest mal auf die Ryanair-Seite klicken… O:-)
      Ich habe ein halbes Jahr in Galicien studiert – Folklorefeste sind wirklich einzig dort. Und überhaupt ist die Landschaft einfach so schön dort. Habe mich wirklich sehr in dieses Stückchen Erde verliebt!
      Danke für dein Feedback zu meinem Blog – freue mich immer sehr darüber, vor allem, weil mein Reiseteil bisher noch eine kleine Schuhgröße trägt 😉
      LG zurück

  • Henning says:

    Hi Steffi,

    super Bilder und ein schöner Bericht!
    Macht richtig Lust auf Porto.
    Wir waren grad in Lissabon. Nach Porto gehts im Herbst.
    Ich liebe dieses Lebensgefühl dort. Und Du bringst ein Stück davon ins heute verregnete Norddeutschland. Danke!
    Henning

  • Michael Ebbinghaus says:

    Wunderbare Fotos, inbesonde das letzte ist überaus stimmungsvoll. Ich will ja nicht besserwisserisch klingen, aber in Porto leben mit Sicherheit keine “zwei Millionen” (eher 238 000) Hast Du in Porto eigentlich eine Bootstour gemacht, bei der man unter den 6 Brücken fährt? LG, Micha

  • Wolfgang says:

    Sehr schöne Fotos. Ich habe neulich die Gegend zwischen Faro und Lissabon erkundet, hauptsächlich also den Alentejo. Beja, Castelo de Vide u.a. sind tolle, teilweise noch sehr ursprüngliche Orte … grandios war´s! Einen nächsten Trip in den nördlichen Teil Portugals habe ich mir schon fest vorgenommen. Das ist ein tolles Land. Ich bin gespannt, was es noch zu bieten hat. Deine Bilder machen weiteren Appetit… 😉

  • Hi Steffi, ich war auch sehr begeistert von Porto!! Und in Lissabon hab ich mich dann letztes Jahr auch noch verliebt (http://maraa.de/2013/lissabon/). 😉
    Ich glaube Portugal ist einfach ein tolles Land, da muss ich noch mal hin.
    War toll dich kennen zu lernen gestern bei der ITB! 🙂

    • Stefanie says:

      Ich konnte leider nur den Norden Portugals besuchen, Lissabon musste ich mir für’s nächste Mal aufheben 😉
      Gleichfalls, hat mich sehr gefreut!

  • Marianna says:

    Porto klang bisher immer gar nicht so spannend für mich. Aber deine Bilder find ich toll. Vielleicht überdenk ich das nochmal 😉

    • Stefanie says:

      Dankeschön! Unbedingt, die nördliche Ecke Portugals ist wirklich schön!
      (Lob von gleich zwei Autorinnen meiner Lieblingsblogs, jetzt bin ich baff! 🙂 )

  • ANita says:

    Sehr schöner Beitrag über Porto! Bei diesen Bildern bekomme ich direkt Fernweh! Meiner Meinung nach ist Porto eine der fotogensten Städte überhaupt 🙂 und ich bin auch ganz deiner Meinung, dass insbesondere diese von dir beschriebene Mischung aus Schönheit, Tristesse und Nostalgie diesen faszinierenden Ort prägt. Ich habe meine Highlights in “24 Stunden in Porto” zusammengefasst (http://www.travelita.ch/porto-in-24-stunden/) und immer noch über 500 Bilder nicht verwertete Bilder 😀

    • Stefanie says:

      Dankeschön! Sehr schön ist auch das Umland Richtung Galizien, kann ich sehr empfehlen für die nächste Portugalreise! 😉 500 Bilder in 24 Stunden, das wundert mich bei der Fotogenität von Porto wirklich nicht!
      (Übrigens ist dein Kommentar der aller-aller-erste auf meinem Blog überhaupt! Ich freu mich wie ein wie ein Schnitzel 😉 Dankeschön! )

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