Krka Nationalpark: Die grüne Oase Dalmatiens

Warme Sonnenstrahlen dringen vom Kirchplatz auf die Terrasse des Cafés „Nostalgija“. Mit geschlossenen Augen und einem Lächeln im Gesicht nippe an meinem Cappuccino und genieße die morgendliche Ruhe hier im kroatischen Šibenik. Ein perfekteres Wetter hätte ich mir für den heutigen Tag nicht wünschen können. Ich bereue es jetzt schon, dass ich nur ein paar Stunden in diesem idyllischen Hafenstädtchen in Dalmatien eingeplant habe, doch der Weg nach Iran ist noch weit und es warten noch viele wunderschöne Orte im Balkan auf mich, bevor ich die türkische Grenze erreiche.

Hafenpromenade von Šibenik

Mein heutiges Ausflugsziel ist der nahe Krka-Nationalpark, doch ich nutze die Morgenstunden, um die verschachtelten Gassen Šibeniks zu erkunden, die sich im Schatten der hohen weißgrauen Kalksteingemäuer winden. Besonders die Kathedrale und der Klostergarten St. Lorenz sind einen Besuch wert. Trotz Hochsaison begegnet man in Šibenik fast keiner Menschenseele – wer hätte gedacht, dass es solche Orte noch in Dalmatien gibt?

Gegen 11 Uhr mache mich mit dem lokalen Bus ins Örtchen Skradin auf, das einer der vielen Zugangspunkte zum Krka-Nationalpark ist. Alleine schon die 40-minütige Anfahrt ist atemberaubend. In steilen Serpentinen geht es einen Durchbruch hinunter, durch dessen Mitte der Fluss Krka fließt. Der Bus spuckt uns direkt in der Zentrum Skradins aus. Ich folge den bröckelnden Steintreppen gleich hinter der Bushaltestelle und gelange zu einem Aussichtpunkt, von welchem die blassroten Dächer des Dorfes inmitten der üppigen grünen Pinien besonders gut zu sehen sind.

Nach dem Spaziergang kehre ich zurück zur Marina und reihe mich in die lange Warteschlange für das kostenlose Shuttle-Schiff zum Nationalpark ein. Kurz überlege ich noch, ob ich die 8 Kilometer von Skradin zum Wasserfall zu Fuß oder mit einem Leihfahrrad (5 Euro) auf dem gut ausgebauten Wanderweg zurücklegen soll, aber verwerfe die Idee aufgrund der schweißtreibenden Augusthitze. Glücklicherweise fahren die Schiffe mindestens alle 30 Minuten, so dass ich schon kurz darauf an der Reling ein Plätzchen für mich suche.

Skradin vom Wasser aus

Wir lassen den Hafen Skradins hinter uns und fahren unter einer riesigen blauen Bogenbrücke hindurch, von der sich waghalsige Einheimische in die Krka stürzen. In der Nachmittagssonne funkelt das kristallklare Wasser der Krka in sattem smaragdgrün, und ich frage mich, wie ein Fluss eine solch außergewöhnlich intensive Farbe haben kann. Eingebettet in immer steiler werdende Felswände windet sich der Strom in eine sanfte Rechtskurve. Nach 25 Minuten Fahrt gelangen wir zum Landesteg am Eingang des Nationalparks.

Auf der smaragdgrünen Krka

Zwischen dem Landesteg und dem Kassenhäuschen liegen nur wenige Meter. In der Hochsaison kostet der Eintritt in den Nationalpark umgerechnet 15 Euro. Etwas verblüfft wegen des unerwartet hohen Eintrittspreises laufe ich weiter den schattigen Pfad entlang, vorbei an hölzernen Kiosken mit Fastfood wie Burger, Eis und „palačinka“ (Crepes). Ich erreiche eine große Wiese, auf der sich überwiegend kroatische Familien flächendeckend ausgebreitet haben. Man könnte sich vom Ambiente her fast wie im heimischen Freibad wähnen, wäre da nicht das Tosen des Wassers, das mit jedem Meter lauter wird, aber dessen Quelle sich hinter dem Dickicht der Sträucher verbirgt.

Endlich erreiche ich die große Holzbrücke und kann die Skradinski Wasserfälle in ihrer vollen paradiesischen Pracht bestaunen. Über mehrere Kaskaden und umrahmt von wildem Gesträuch ergießt sich die Gischt in einen See aus verschiedensten Grünschattierungen. Gerne würde ich hier noch weiter verweilen, aber ich stehe zunehmend den posierenden Touristen auf der gerammelt vollen Brücke im Weg.

Skradinski Fälle

Ich kann es kaum erwarten, mich endlich im Wasser von der Sommerhitze abzukühlen. Auch wenn es heute brechend voll ist im Krka Nationalpark, gibt es im Badebereich vor dem Wasserfall glücklicherweise genug Platz für alle. Ich balanciere über ein paar behelfsmäßig ausgelegte Bretter durch die Sträucher zum Ufer, verstaue meinen Rucksack auf einem der Bäume und klettere vorsichtig in das klare, erfrischend-kühle Nass. Das Wasser ist in Ufernähe nur kniehoch und überraschenderweise spürt fast keine Strömung. Der Badebereich ist zum Wasserfall hin mit einem Seil abgesteckt, so dass man leider nicht sehr nah an die tosenden Ströme herankommen kann.

Da es aussichtslos ist, auf der Wiese ein ruhiges Plätzchen zu finden, mache ich mich schon bald zum Rundwanderweg um die Skradinski Fälle auf. Über Holzrampen und Treppen geht es links neben den Kaskaden hinauf zu einem dschungel-artigen Biotop. Der Besucherstrom staut sich auch hier auf den zu schmalen Wegen, doch in den abgelegeneren Bereichen erlebt man endlich Natur pur: plätschernde Bäche und Flussläufe, aus welchen kleine Wasserfälle hervorbrechen, verbinden mehrere Seen. Immer wieder entdeckt man Frösche, Wasserschlangen und bunte Libellen.

Auf dem Rundwanderweg

Am Ende des Pfades, der mit ausreichend Fotopausen in etwa einer Stunde machbar ist, wartet der Königs-Aussichtspunkt auf höherliegende Kaskaden als letztes Highlight. Ich bin nun an dem Punkt angekommen, von dem die Shuttlebusse zum Parkplatz Lozovac pendeln. Hier gibt es ein altes Mühlhaus, ein Restaurant, Kioske und die Anlegestelle, von der Schiffe weiter flussaufwärts fahren, denn der Nationalpark erstreckt sich von hier noch 13km gen Norden.

Königs-Aussichtspunkt

Wer spätestens mittags am Bootssteg ankommt, kann die große 4-stündige Rundtour zum Wasserfall Roski Slap und zum Kloster auf der Insel Visovac mitmachen (17€). Wer später kommt, dem bleibt noch die 2-stündige Kurztour zur Klosterinsel (13€). Ausführliche Infos zu allen möglichen Ausflügen gibt es auf der Webseite des Krka Nationalparks. Mir reicht allerdings das Programm von heute schon, und ich mache mich mit dem letzten Bus zurück auf dem Weg nach Šibenik, von wo ich noch am selben Abend nach Split aufbreche.

Hast Du schon mal den Krka Nationalpark besucht? Wie hat es Dir dort gefallen?

1 Comment

  • Wow, das sind super tolle Eindrücke! Von Kroatien hört man ja fast nur gutes, dein Beitrag bestätigt alles was mir schon bekannt war. Reiseblogs wecken immer das Fernweh bei mir 😀
    Ahoi, Katharina!

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