Backpacking Marokko: Dein Guide für einen unvergesslichen Urlaub

Vallée d'Ammelne

Du möchtest im Urlaub eine fremde Kultur kennenlernen, aber hast keine Lust, dafür um die halbe Welt zu fliegen und hunderte von Euro alleine in den Flug zu investieren? Dann ist Backpacking in Marokko genau das Richtige für Dich!

Im Februar 2013 reiste ich drei Wochen lang alleine mit dem Rucksack einmal quer durch das bildschöne nordafrikanische Land – von Marrakesch über die Atlantikküste, das Atlas-Gebirge und die Ausläufer der Sahara über den Gibraltar ins spanische Málaga.

In diesem Artikel verrate ich Dir meine komplette Backpacking Route, viele praktische Tipps und meine persönlichen Marokko-Highlights – gespickt mit unzähligen Fotos, die Dir hoffentlich näherbringen, warum ich diese Reise zu einer der schönsten meines Lebens zähle.

Backpacking Marokko:
Warum lohnt es sich?

✓ Marokko ist exotisch: Das Gassengewirr der jahrhundertealten Städte, die hypnotisierenden Gebetsrufe und atmosphärischen Souqs (Märkte) sind unglaublich faszinierend. Gerade für die erste Reise in den Orient eignet sich das relativ moderne Marokko bestens.

Im Souq von Marrakesch

✓ Marokko ist günstig: Ryanair bietet Direktflüge von Deutschland nach Marokko (u.a. Marrakesch, Fez, Tanger) ab gerade einmal 10 Euro an. Auch vor Ort sind die Ausgaben recht gering: eine warme Mahlzeit ist ab 2 Euro zu haben und ein simples Privatzimmer kostet oft nicht einmal 15 Euro pro Nacht. Backpacker-Hostels sind ebenfalls zu Genüge in Marokko vorhanden.

✓ Marokko ist einfach: Das Herumreisen mit Bussen (CTM & Supratours), Zügen (ONCF), Sammeltaxis oder dem eigenen Mietwagen ist in Marokko ein Kinderspiel, denn das Land ist touristisch gut erschlossen. Die Kommunikation ist auf Französisch, Spanisch und oft auch Englisch möglich.

✓ Marokko ist sicher: Mit Ausnahme der Westsahara und entlegenen Wüstenregionen, die fernab der üblichen Touristenrouten liegen, rät das Auswärtige Amt nicht von Reisen nach Marokko ab. Auch als weibliche Alleinreisende fühlte ich mich in Marokko grundsätzlich wohl. Meine Tipps findest Du im Artikel Als Frau alleine in Marokko – 10 Tipps für Backpackerinnen.

✓ Marokko ist abwechslungsreich: Wer denkt, dass Marokko nur aus Meer und Wüste besteht, der täuscht sich gewaltig: das atemberaubende Atlas-Gebirge durchzieht das Land und bietet zahlreiche Möglichkeiten für Wandern und Trekking.

✓ Marokko ist lecker: In Marokko lässt sich überraschend gut schlemmen, sei es eine deftige Tajine (Schmortopf), butterweiches Couscous, pappsüße Datteln, frische Mandeln oder die unglaublich leckeren Süßigkeiten aus den Pâtisseries.

Backpacking Marokko:
Meine Reiseroute für 3 Wochen

Da ich recht viel Zeit zur Verfügung hatte, buchte ich einen Gabelflug von Deutschland nach Marrakesch und zurück ab dem spanischen Málaga.

Die Route im Überblick:

  • Marrakesch (Tag 1-4): Medina, Ville Nouvelle, Ourika
  • Atlantik-Küste (Tag 5-8): Essaouira, Tiznit, Mirleft, Sidi Ifni
  • Antiatlas-Gebirge (Tag 9-11): Tafraoute
  • Wüstentour (Tag 12-16): Ouarzazate, Dadès-Tal, Todra-Schlucht, Merzouga
  • Nord-Marokko (Tag 15-19): Fez, Chefchaouen, Tétouan, Tanger
  • Spanien (Tag 20-21): Fähre nach Algeciras, Rückflug von Málaga

Solltest Du nicht so viel Zeit zur Verfügung haben, dann würde ich Dir empfehlen, mindestens 7 Tage für ein „Best of Marokko“ einzuplanen, also Marrakesch (2-3 Tage) – Wüstentour (3-4 Tage) – Essaouira (2 Tage) – Marrakesch.

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Marrakesch: Medina, Ville Nouvelle & Ourika

Angekommen am Flughafen Marrakesch-Menara bringt Dich der öffentlich Airport Bus (3 Euro) direkt zum Hauptplatz der Medina (Altstadt), dem berühmten „Platz der Toten“ Djemaa el-Fna. Sobald Du die erste Herausforderung gemeistert hast und Deine Unterkunft im Labyrinth der Altstadt ausfindig gemacht hast, kannst Du die Juwelen maurischer Baukunst wie die Koranschule „Medersa Ali Ben-Youssef“ oder den „Bahia Palast“ erkunden. Generell würde ich Dir empfehlen, die ersten Tage in Marrakesch ruhig angehen zu lassen, denn das Gewusel der Marktgassen kann einen erst einmal überfordern.

Hoteltipp in Marrakesch: Hotel Essaouira, 3 Derb Sidi Bouloukat, 50DH im Einzelzimmer

Gewürze auf dem Souq von Marrakesch

Damit Dein Bild von Marrakesch nicht zu einseitig ist, empfehle ich Dir dringend, auch einen halben Tag in der Ville Nouvelle (Neustadt) zu verbringen. Den zauberhaften, von Ives Saint-Laurent angelegten Garten „Parc Majorelle“ kennt jeder Tourist. Im Café des „Institut Français“ hast Du hingegen die Gelegenheit, viele Einheimische aus der intellektuellen Elite der Stadt kennenzulernen. Auch der nagelneue Bahnhof ist einen Besuch wert.

Garten des Jardin Majorelle in der Neustadt von Marrakesch

Nur eine Stunde von Marrakesch entfernt ist das Ourika-Tal eines der beliebtesten Ausflugsziele für Einheimische und Touristen gleichermaßen. Um dorthin zu gelangen, nimmst Du ein Sammeltaxi nach “Setti Fatma” vom Tor “Bab Robb” am Südrand der Medina (4 Euro). An geschäftigen Tagen kannst Du dort einfach den Menschenmengen zu den Wasserfällen folgen, oder vor Ort einen Guide anheuern, der Dich für 10 Euro auf eine etwa einstündige Wanderung mit wunderschönen Aussichtspunkten mitnimmt.

Blick ins Ourika-Tal

Atlantik-Küste: Essaouira, Tiznit, Mirleft & Sidi Ifni

Nach so viel Trubel in Marrakesch bin ich dann doch froh, aus der Stadt rauszukommen und nehme den nächen Bus zum Küstenort Essaouira. Dort erwartet mich eine relaxte Atmosphäre, wunderschöne Hotels in traditionellen marokkanischen Riads, und ein spannender Fischmarkt. Für tolle Fotomotive solltest Du unbedingt die Zitadelle besuchen. Baden würde ich in Essaouira übrigens nicht – außerhalb der explizit für Westler errichteten Badeorte wie Agadir erscheint mir das einfach unangebracht.

Hoteltipp in Essaouira: Riad Dar Alouane (“Haus der Farben”), 15 Euro im EZ

Der legendäre Blick von der Festung auf die Altstadt von Essaouira

Nun geht es südlich entlang der Küste weiter ins Land der Berber. Das touristische Agadir sowie das Surfer-Mekka Tahgazout lasse ich bewusst aus und fahre weiter in die Provinzhauptstadt Tiznit. Dort gibt es ehrlich gesagt nicht viel zu sehen, doch die Lage ist sehr günstig, um die Küste weiter zu erkunden.

Hoteltipp in Tiznit: Hotel des Touristes, Place al-Méchouar, 6 Euro im EZ inkl. Frühstück

Frühling in Tiznit

Ich verbringe einen Nachmittag am Aglou Plage, einen hauptsächlich von Franzosen besuchten und dennoch sehr ruhigen Strand, und einen weiteren Tag in den beeindruckenden Buchten von Mirleft und der relaxten Küstenstadt Sidi Ifni. Bilderbuch-Marokko solltest Du in letzterer nicht erwarten, denn die Stadt ist leider sehr heruntergekommen und die Strände vermüllt. Dennoch ist die Architektur und spezielle Atmosphäre dieser ehemaligen spanischen Enklave interessant zu sehen-

Ein Haus in Sidi Ifni

Strand von Mirleft bei Nieselregen

Das Antiatlas-Gebirge: Tafraoute

Eher durch Zufall hat es mich anschließend in das Antiatlas-Gebirge nach Tafraoute verschlagen. Die Kleinstadt liegt inmitten einer imposanten Granitlandschaft, die von Regen und Wind geformt wurde. Wunderschöne Landschaften findet man in den Bergoasen im Tal der Ammeln (Vallée d’Ammelne). Dank meines unglaublich Couchsurfing-Hosts durfte ich in Tafraoute fernab der Touristenrouten die rührende Gastfreundschaft der Berber erfahren und kann nur jedem empfehlen, diese magische Region zu besuchen.

Vallée d’Ammelne

Die große Wüstentour: Ouarzazate & Merzouga

Nun war es endlich Zeit für die Wüste! Ich entschied mich, diese Tour nicht – wie die allermeisten Touristen – direkt in Marrakesch zu buchen, sondern machte mich zunächst per Bus selbst auf dem Weg in die östliche Provinzstadt Ouarzazate. Die Fahrt dorthin war ganz schön eisig, denn auf dem Tizi n’Tichka-Pass erwischte uns doch tatsächlich ein Schneesturm. Ja, Du hast richtig gehört, ein Schneesturm in Marokko!

Schweren Herzens musste ich das weltberühmt Kasbah Ait Ben-Haddou, das auf dem Weg von Marrakesch nach Ouarzazate liegt, auslassen, da es ohne Mietwagen zu umständlich zu erreichen war und die lokalen Busse zu meiner Zeit keine Ausländer dorthin mitnehmen durften.

Hoteltipp in Ouarzazate: Hotel Royale

Auch nicht übel: das Kasbah Taourirt mitten in Ouarzazate

Über mein Hotel in Ouarzazate buchte ich eine dreitägige Wüstentour nach Merzouga (Erg Chebbi) inklusive Stopps im Dadès- und Rosental, der Todra-Schlucht und unzähligen verfallenen Kasbahs. Wir waren gerade einmal zu fünft inklusive Fahrer-Guide unterwegs und was soll ich sagen: das waren die am besten investierten 100 Euro meines Lebens! An dieser Stelle lasse ich einfach die Bilder für sich sprechen:

Mit unserem extrem lustigen Guide, der uns 3 Tage lang im Auto mit gewöhnungsbedürftiger Berber-Musik bedüdelte.

Die ewigen Weiten der Erg Chebbi

Unser Guide

Lagerfeuer am Abend

Nord-Marokko: Fès, Chefchaouen, Tétouan & Tanger

Direkt von Merzouga bringt Dich eine 10-stündige Busfahrt ins wunderschöne Fès, die drittgrößte Stadt des Landes. Die Liste an kulturellen Sehenswürdigkeiten ist hier schier endlos: die Altstadt mit über 9000 verwinkelten Gassen, die ikonischen Gerbereien, das jüdische Viertel, die Meriniden-Gräber und Tagesausflüge nach Mulay Idriss oder Volubilis.

Mein Tipp für Fès: Plane Deine Reise so, dass Du einen der mitreißenden sonntäglichen Konzertabende im (bei jungen Marokkanern extrem beliebten) Cafe Clock miterleben kannst.

Meriniden-Gräber hoch über Fès – zumindest damals galt der Ort als gefährlich und sollte nicht alleine ohne Auto besucht werden.

Nach vier Stunden Fahrt Richtung Norden werden die Landschaften grüner, und ich erreiche eins der absoluten Highlights in Marokko: das Dorf Chefchaouen ist tatsächlich so entzückend blau, wie es die vielen Werbebilder versprechen. Ein halber Tag reicht mir hier, um die vielen Gassen fotografisch zu erkunden und pünktlich zum Nachmittags-Gebetsruf auf den gegenüberliegenden Aussichtspunkt zu wandern.

Das blaue Dorf Chefchaouen von oben

Ein nächster, optionaler Halt ist Tétouan. Die “weiße Stadt” fühlt sich bereits deutlich spanischer und geordneter an als der Rest Marokkos. Ich lasse mir von einem (ausnahmsweise sehr netten) Faux Guide die Altstadt zeigen, in der ich auf keinen einzigen anderen Touristen treffe.

Hoteltipp in Tétouan: Hotel Iberia

Blick vom Hotel Iberia auf Place Moulay El Mehdi in Tétouan

Als letzter Stopp vor steht Tanger auf dem Plan. Die Stadt ist überraschend charmant, mit dem bildschönen Kasbah-Viertel, dem prächtige Jugendstil-Kino “Cinema Rif” am Petit Socco und dem eleganten “Grand Café de Paris”. Wehmütig trinke ich am Abend vor meiner Abreise einen letzten Minztee hoch oben im “Café Hafa” mit Blick auf Spanien.

Hoteltipp in Tanger: Hotel Continental, 6 Euro im EZ

Cinema Rif in Tanger

Grand Café de Paris in Tanger

Zum Finale der Reise setze ich vom etwas weiter außerhalb von Tanger liegenden Hafen “Tanger Med” mit der Fähre (z.B. über Ok-Ferry.de) ins spanische Algeciras über. Zwischen zwei Kontinenten über das Wasser zu gleiten und den Gibraltar so nah zu sehen war ein einmaliges Gefühl!

Auf der Fähre nach Algeciras. Au révoir, Maroc!

Mein Rückflug nach Deutschland geht von der spanischen Hafenstadt Málaga, mit der ich leider gar nicht warm wurde. So toll dort auch das Picasso-Museum und die Altstadt sind – zu sehr vermisse ich die Wärme der Menschen in Marokko…

Wäre Backpacking in Marokko etwas für Dich? Falls Du schon dort warst, wo hat es Dir auf Deiner Marokko-Reise am besten gefallen? Ich freue mich auf Deinen Kommentar!

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